Eine Reise durch Südfrankreich

Es war im vergangenen Frühsommer – ein Sommer gefüllt mit vielen wunderbaren Ereignissen. Tolle Hochzeitsbegleitungen lagen bereits hinter mir, und etwa noch einmal so viele wunderbare Begleitungen sollten mich noch erwarten. Eines Nachmittages kam bei Freunden und mir die Idee auf, dass wir gemeinsam ein paar Tage Urlaub gut gebrauchen könnten. Einfach mal raus aus der vertrauten und gewohnten Umgebung und rein in die Fremde. Der erste Impuls der uns allen in den Sinn kam war „Meer“. Und nachdem wir ein paar Gedanken gesponnen hatten, einigten wir uns auf den rauhen aber deutlich weniger touristisch ausgeschlachteten Nordwesten Frankreichs – wir wollten in die Provence. Bis zum äussersten Zipfel Frankreichs. Der ursprüngliche Plan sah dann auch vor, die Reise in zwei Etappen anzutreten mit einem Zwischenstop in Paris.
Das Hotel in Paris war gebucht, der Tank gefüllt, das Auto gepackt – und der Wetterbericht für die Bretagne sah seit Tagen mies aus, ohne Hoffnung auf Besserung. Sprichwörtlich in der letzten Sekunde entschieden wir uns morgens kurz vor Abfahrt dann gegen die Bretagne und für den Süden…und zwar so weit in den Süden, dass es südlicher in Frankreich gar nicht mehr ging. Eine gute Entscheidung wie es sich nach etwa zwölf Stunden Autofahrt und spät am Abend herausstellte: Temperaturen noch deutlich über 20°C, der Geruch des Meeres, die salzige Luft und der noch warme Sand unter den Füßen. Mann, wie habe ich das vermisst!
Die ganze Reise war als Campingplatz-Hopping-Tour gedacht und auch wenn es schon spät und dunkel war, schlenderten wir nach dem obligatorischen „Zelt-aufbauen“ zu einem nahegelegenen Rummelplatz und holten uns Sandwiches sowie eisgekühlte Cola und liessen es uns am nächtlichen Strand schmecken.

Die folgenden Tage waren gefüllt mit Faulenzen und süßem Nichtstun. Ein wenig Frisbee-spielen, hin und wieder im Meer planschen, viel Döserei und einfach das Leben geniessen. Später wollten wir uns noch die sagenumwobene Festung Carcassonne ansehen, welche zum Glück in der Nebensaison nicht so sehr von Touristenmassen überschwemmt wird.

Irgendwann brachen wir sprichwörtlich unsere Zelte ab und es ging weiter Richtung Osten, in die Nähe von Sète. Ein toller Flecken Erde – und nur wenige Tage später sollte das noch bei weitem übertroffen werden. Wir hatten Glück, denn als wir die Stadt Sète ansehen wollten, fand dort gerade das Schifferstechen statt, eine Art Lanzenduell auf Booten. Ein tolles Spektakel – vor allem in einer so angenehmen Kulisse mitten im Kanal der Hafenstadt.
Doch auch Montpellier hat ein wunderbares Flair! Es ist einfach herrlich durch dessen kleine Gassen zu schlendern, sich bewusst ein wenig zu verlaufen, nur um am Ende an Plätzen rauszukommen, die man sonst wohl nie gesehen hätte.

Doch auch diese Zeit war bald vorbei und wir zogen weiter. Weiter Richtung Osten in die Provence. Bis dahin dachte ich, ich kenne den Süden Frankreichs – doch weit gefehlt. Das was die Provence zu bieten hat, ist einmalig. Das Leben ist hier so lebenswert. Vor allem in dem Örtchen Aix-en-Provence: Alles spielt sich auf der Straße ab, bis weit nach Mitternacht. Die Menschen leben ihr Leben gerne auf der Straße – und das merkt man an jeder Ecke dieser Stadt: Viele sieht man essend auf den Bestuhlungen ausserhalb der Restaurants, hier ein alter Mann mit Zigarre im Mundwinkel, dort ein Lachen von einem verliebten Pärchen, immer wieder der Duft von frischen Gewürzen in der Nase…und dabei alles so stimmungsvoll erleuchtet vom diffusen gelblichen Schein der Natriumdampf-Laternen. Eine Stimmung zum Verlieben.

Wir wollten mehr davon. Und so traten wir eines Nachmittags die Reise in die Tiefe der Provence an. Es dauerte auch nicht lange, da befanden wir uns auf einem kleinen Landsträßchen – verwinkelt und kurvig. Links und rechts ragten immer wieder schroffe Felsformationen auf, die die Straße noch enger und die nächste Kurve uneinsehbar machten. Irgendwann und plötzlich öffnete sich die Straße, ein paar malerische Weingüter abseits der Zypressen-Alleen zogen an uns vorbei, die Landschaft erschien uns wie in alten Liebesfilmen aus den 60er-Jahren und im Radio lief „I’m sorry“ von Brenda Lee – das Romantiker-Herz in mir schien zu platzen. Und als wir das Örtchen Bonnieux erreichten, konnten wir unseren Augen kaum trauen: Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch, ein steingewordener Traum. Kein Wunder, dass unweit davon entfernt auch die Filme „Ein gutes Jahr“ von Ridley Scott und „Swimming Pool“ von Francois Ozon gedreht wurde. So viel Ruhe und Entspanntheit wie dieses Stück Welt ausstrahlte war mit einem Wort: unbeschreiblich!

Doch auch Roussillon mit seiner ockerfarbenen Erde ist nicht zu verachten und vor allem Gordes – ein auf einem steilen Südhang gebauter Ort mit einer ganz-und-gar fantastischen Sicht über die Provence – hat mich nachhaltig beeindruckt.

Und so fiel es uns allen schwer – nach diesen Unmengen an positiven Eindrücken, nach so vielen wunderbaren Tagen, nach all dem Schönen, der Wärme und Gelassenheit – wieder die Heimreise anzutreten.

Die Lebensart, die Landschaft, die Menschen – all das hat mich noch mehrere Wochen festgehalten:

Ich war bereits wieder zurück in Deutschland…doch mein Herz habe ich in Frankreich gelassen.

Wer noch mehr (i.d. Fall analoge) Bilder sehen möchte, darf gerne auf Fernweh-o-sophy vorbeischauen.

 

© Martin Spoerl Photography | Fotograf Ulm

3 Comments
  1. Haha, und wie das so ist, wenn man der Fotograf ist. Kein Foto von dir 😉 Aber sehr schöne Impressionen. Da krieg ich wieder Fernweh!
    Liebe Grüße,
    Irina

    • …leider, ja Irina. Danke – freut mich, dass dir die Bilder trotzdem gefallen. 🙂