Die Fuji X-E1 | Mein treuer Reisebegleiter

Fujifilm stellte im Januar 2012 mit der X-Pro1 ihr neues X-System vor. Mit einem einzigartigen hybriden optischen/elektronischen Sucher, einem griffigen Gehäuse aus Metall und dazu dem hübschen Aussehen mitsamt den tollen analogen Drehrädchen richtete Fujifilm sich direkt an alle, die ein zeitgemäßes digitales Messsucher-System suchten. Wie schon die vorangegangene X100 mit ihrer fest verbauten 23mm-Optik, wurde die X-Pro1 im Allgemeinen gut aufgenommen, der Preis war für eine APS-C Kamera jedoch recht hoch. Doch die überaus positiven Reaktionen und Erfahrungsberichte über die X-Pro1 sowie der dazugehörigen Objektivpalette flaute nicht ab – und im Vergleich mit Leica war es beinahe schon ein Schnäppchen. Kurz darauf kam Fujifilm mit einer etwas abgespeckten X-Pro1 auf den Markt: Der X-E1. Sie zielte darauf ab, die Linie der Palette an X-Serie-Kameras zu erweitern, und somit direkt die Menschen anzusprechen, welche sonst zu einer Sony Alpha NEX-7 oder einer Olympus OM-D E-M5 gegriffen hätten.
Die X-E1 ist im Grunde und rein technisch gesehen, eine X-Pro1 nur eben ohne den optischen Sucher. Das wiederum macht sie etwas kleiner und handlicher, behält aber alle anderen Features der X-Pro1 bei, z.B. spiegelloser elektronischer Sucher, X-Trans-Sensor im APS-C-Format, fehlender Tiefpassfilter, klassische Bedienung mit Einstellrädern für Zeit und Belichtungskorrektur, Blendenvorwahl als Einstellring am Objektiv.

Was die Fuji X-Serie so interessant macht, ist der Fuji-eigene Aufbau des Sensors, welcher durch sein nicht-regelmäßiges Muster an Pixeln die Korn-Struktur eines analogen Films imitieren soll. Dadurch kommt es zu einem weiteren positiven Effekt: Es gibt kein Moiré-Effekt bei feinen Strukturen. Somit ist auch der Tiefpassfilter hinfällig, der diesen Effekt bei einem herkömmlichen Bayer-Muster-Sensoraufbau verhindert. Ergo: Ein schärferes Bild.
Zum anderen sind das die wunderbaren Fujinon-Objektive, welche in ihrer Abbildungsleistung so manch etablierten Konkurrenten hinter sich lassen.
Ein dritter Effekt ist der Firma Fujifilm selbst zuzuschreiben: Ihre jahrelange Erfahrung mit analogem Film. Diese Erfahrung ist voll und ganz in die Entwicklung ihrer Kameras eingeflossen, was sich ebenfalls in der Bildqualität und vor allem dem Umgang mit Farben im Bild widerspiegelt.

Aber zurück zur Kamera: Warum habe ich die X-E1 und nicht die X-Pro1 (oder die X100) gekauft? Ganz einfach: Der Preis. Ich sah keine Notwendigkeit, mir für einige Hundert Euro mehr eine X-Pro1 zu kaufen nur um einen Hybridsucher zu haben. Zudem wollte ich meine „Reisekamera“ so kompakt wie möglich halten.
Ok, die X100 ist fast genauso kompakt wie die X-E1, jedoch wollte ich mir die Flexibilität von Wechselobjektiven vorbehalten (die X100 hat ein fest verbautes 23mm-Objektiv) – zudem habe ich noch drei wunderbare Zeiss-T*-Objektive meiner Contax G1, die ich auch digital nutzen möchte. Denn durch den spiegellosen Aufbau ergeben sich enorm viele Möglichkeiten, was das Verwenden und Adaptieren von (auch alten manuellen Fremd-)Objektiven anbelangt.
Also habe ich vor etwa einem Jahr Ausschau nach einer guten, gebrauchten X-E1 gehalten und nach einigen Wochen mit ‚Beobachten‘ und ‚Preis-Abwägen‘ landete ich einen Treffer! Ich hatte eine X-E1 gekauft: Ein Body in nahezu neuwertigem Zustand, inklusive Originalverpackung, Soft-Touch-Auslöseknopf und einem Buch über den Umgang mit der X-E1 zu einem Preis von (damals wirklich günstigen) 290€.

Wow, toll fühlt sie sich an. Das Gewicht gut und sehr wertig, die Oberflächen toll verarbeitet und das Auslösegeräusch hört sich ebenfalls gut an. Die Knöpfe auf der Oberseite allesamt wunderbar zu bedienen und zudem noch schön anzusehen. Objektive hatte ich ja schon – die von meiner Contax. Also noch schnell nen Adapter (ContaxG-FujiX) gekauft und die Kamera war komplett. Durch das Adaptieren habe ich natürlich keinen Autofokus mehr, aber das Fokussieren ist mit der eingebauten Sucherlupe auch mit offener Blende kein Problem. Die Blende wird an einem Ring am Objektiv gewählt, die Belichtung steuere ich dann ganz simpel durch die Wahl einer dazu passenden Belichtungszeit durch drehen des Zeiten-Rades auf der Oberseite der Kamera. Oder ich überlasse die Wahl der richtigen Belichtungszeit der Kamera (in Abhängigkeit der gewählten Blende). Dann kommt das Belichtungskorrektur-Rädchen zusätzlich mit ins Spiel, welches sich ebenfalls rechts oben auf dem Gehäuse befindet. Alles in allem wirklich super-simpel und äusserst zuverlässig.

Somit war ich gerüstet für einen Trip durch Südfrankreich (alle im nebenstehenden Link gezeigten Bilder sind mit der X-E1 und meinem adaptierten ContaxG-Zeiss 35/2 entstanden, auch viele der Bilder in meiner Instagram-Galerie sind mit dieser Kombination entstanden). Bei dieser Frankreich-Reise zeigte sich recht schnell, was die kleine Kamera konnte: Sie war niemals störend in Größe oder Gewicht, nicht zu auffallend oder protzig in ihrer Erscheinung, aber von den Bildergebnissen durchaus immer auf Augenhöhe mit einer digitalen Einsteiger- oder Mittelklasse-APS-C-Spiegelreflexkamera. Natürlich muss man demgegenüber irgendwo auch Abstriche machen (Verarbeitungsgeschwindigkeit, fehlender Autofokus, Stromverbrauch). Doch wenn man das im Hinterkopf behält, kommt man wunderbar mit diesem kleinen Stück Technik zurecht – und die Bilder sprechen für sich.

Inzwischen habe ich mir noch einen weiteren Adapter gekauft, denn das 35mm-Zeiss-Objektiv war mir hin und wieder doch zu lang. Diesmal war es ein Adapter für das Olympus-OM-System. Aus diesem System habe ich bereits zwei OM-2n-Bodies sowie drei dazugehörige H.Zuiko-Objektive (24/2.8, 50/1.4, 35-135/4-4.5). Und da meine ContaxG-Zeiss-Objektive erst bei 35mm beginnen (was an der X-E1 umgerechnet einer 50mm-Brennweite entspricht), wollte ich das Olympus 24/2.8 ebenfalls an meiner X-E1 benutzen, um etwas weitwinkliger Fotografieren zu können (das 24er entspricht an der X-E1 dann einem 35mm-Objektiv). Denn 35mm ist eine tolle Brennweite für Reisen oder Street-Photography. Natürlich ist das Auflagemaß einer Olympus etwas größer als das einer Contax G1 oder einer Fujifilm X-E1, was darin resultiert, dass der Adapter für die Olympus-Objektive deutlich tiefer ist als der für meine ContaxG-Objektive. Auch die Olympus-Objektive sind insgesamt natürlich etwas schwerer und größer als die Zeiss-Optiken für meine kleine Contax. Dennoch ist man auch mit einem adaptierten Olympus-Objektiv immer sehr unauffällig unterwegs – ganz im Gegensatz zu einer modernen DSLR, deren Body zusammen mit Objektiv oft schon sehr ‚präsent‘ ist. Einzig eine alte analoge Pentax ME (1976 die weltweit kompakteste SLR) oder eine aus den 1980er Jahren stammende und unten im Vergleich gezeigte Olympus OM-2n (welche übrigens den geilsten Sucher EVER! hat) machen da eine Ausnahme. Schon spannend, wie klein die Spiegelreflexkameras damals sein konnten, oder? …allein aufgrund ihrer Abmessungen und ihrem bis heute ungeschlagenen Sucher liebe ich meine OM-2n…

Am ehesten würde ich die X-E1 jedoch mit meiner wunderschönen Contax G1 vergleichen: Ein tolles und hübsches Stück Technik, ideal für Reisen, zuverlässig leicht und klein, von guter Qualität, jedoch für den professionellen Einsatz nicht geeignet. Dafür gibt es schnellere Kameras wie z.B. die (auch aus der X-Serie stammende) Fujifilm X-T1. Dieser – einer klassischen SLR nachempfundenen – Kamera würde ich ohne zu zögern mein Vertrauen schenken…auch im Einsatz auf einer Hochzeit. Vor allem finde ich das Layout eben dieser Kamera unglaublich verführerisch: Alle Grundeinstellungen (Belichtungszeit, Empfindlichkeit und Belichtungskorrektur) ist mit einem jeweiligen Drehrad auf der Oberseite sofort ersichtlich, zugänglich und verstellbar. Die Blende wird ganz klassisch am Objektiv selbst eingestellt und wenn das Belichtungsrad auf ‚A‘ steht, übernimmt die Kamera wiederum die Wahl der richtigen Belichtungszeit. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Layout sogar das Fotografieren entschleunigen könnte.

Fuji kann was – ganz klar!
Was da noch alles kommen mag? Ich bin gespannt…

 

© Fotograf Ulm | Martin Spoerl Photography

2 Comments
  1. Interessant, dass du der X-E1 keine ProfiQualitäten zutraust, der X-T1 aber schon … wie schlägt sich denn die Contax-G Optik am TransX – da liest man ja sehr unterschiedliches

    • Das liegt einfach daran, dass die X-T1 schneller und einfacher zu bedienen ist mit ihren vielen Einstellrädern auf der Oberseite. Die Contax-Linsen sind fantastisch. Viele meiner Bilder auf Instagram sind mit dieser Kombi entstanden: http://www.instagram.com/martin.spoerl