Die Contax G1 | Eine bessere Leica?

Als Contax 1994 eine neue Kamera im totgeglaubten Segment der Messsucherkameras einführte, war die Sekpsis groß: „Eine Messsucherkamera? Von Contax? mit einem neuen Bajonett? Was soll das? Es gibt doch schon Leica?“

Die neue Kamera nannte sich Contax G1, mit ihr wurde als neue Anschlussart das „G-Bajonett“ auf den Markt gebracht, dazu gab es einen motorbetriebenen Filmtransport sowie einen elektronischen Autofokus. Schnell wurden Stimmen laut die sagten „Das ist ja gar keine echte Messsucherkamera – es gibt ja gar keinen manuellen Fokus und ein Schnittbildindikator“. Nun, das ist so nicht ganz korrekt: Die Contax G1 hat einen AF-Mechanismus der in der Tat durch kleine Motoren betrieben wird, jedoch wird im Sucher auch immer die erfasste Entfernung angezeigt. Zudem wird – je nach montiertem Objektiv – der Sucherausschnitt entsprechend der Brennweite angepasst. Also wird mit den Objektiven zwischen 28mm und 90mm immer die richtige Ansicht angezeigt. Das Problem mit der Parallaxen-Korrektur wurde so gegenüber Leica mit ihren Aufstecksuchern deutlich verbessert.

Das Contax G-System bietet sieben Wechselobjektive, schnellen Autofokus und Belichtungsautomatik (natürlich kann man auch alles manuell einstellen es gibt auf der Oberseite entsprechende Rädchen zum Einstellen der Verschlusszeit sowie der Entfernung), TTL-Blitzmessung und automatischen Filmtransport/Rücklauf. Es war ein Durchbruch in diesem Segment und nichts kam der Contax seitdem nahe.
Leica verschlief die ganze Sache.

Die von Kyocera unter Zeiss-Lizenz hergestellten Objektive für die G-Serie-Objektive kann man schnell zusammenfassen. Da wären:
Die Standardlinse, das 45/2 Planar dazu das 28/2.8 Biogon sowie das 90/2.8 Sonnar; ein 21/2.8 Biogon, das 16/8 Hologon und einem 35/2 Planar, sowie eine 35-70/3.5-5.6 Vario Sonnar rundeten später die Objektiv-Reihe ab.
Das 45/2 Planar hat mittlerweile schon einen legendären Ruf als das schärfste 35mm-Objektiv der Welt. Es deklassiert sogar das berühmte Leica Summicron 50/2.
Es gibt Fotografen, die von Zeiss-Objektiven in ehrfürchtigen Tönen sprechen. In den 1990er-Jahren konnten die meisten Objektive nicht auf diesem Qualitätsniveau in Masse gefertigt werden. Durch rechnergestützes Design und Fertigung konnte man die Qualität deutlich verbessern sowie die Produktion in hoher Stückzahl durchsetzen – ohne dass man Qualitätsverluste befürchten musste.
Die Passform und die Verarbeitung der Objektive sind hervorragend. Schriftzug und Skalen sind in das Objektivgehäuse geätzt. Die Riffelung am Blendenring ist in den Ring geschnitten was sich gut anfühlt und wirklich griffig ist. Selbst die Objektivdeckel sitzen wirklich fest und man kann sie nicht so einfach durch versehentliches Berühren verlieren.
Etwas aussergewöhnlich ist das Abnehmen der Objektive vom Body: Zunächst drückt man den Entriegelungsknopf auf dem Gehäuse, wodurch sich der Ring hinter dem Blendenring am Objektiv drehen lässt. Im Gegensatz zu KB-Objektiven wo sich das ganze Objektiv dreht, dreht sich beim G-System nur eben dieser Ring – der Rest des Objektives bleibt in seiner Position und dreht nicht mit.

Ich möchte ein wenig über die drei „Standard-Linsen“ des G-Systems berichten, die ich auch selbst besitze: Das 35/2, das 45/2 und das 90/2.8

Das 35/2 bietet sich an als Reportage-Objektiv oder wird auch sehr gerne in der Street-Fotografie verwendet. Meine Lieblingsbrennweite wird es nicht werden, dafür ist es mir zu weitwinklig. Wirklich viel habe ich damit auch noch nicht fotografiert – ich benutze dieses Objektiv momentan sehr ausgiebig an meiner Fuji X-E1 (wo es durch den Cropfaktor zu einem 53mm/2.8 wird).

Das 90/2.8 hat einen nicht sonderlich guten Ruf – liegt vielleicht aber auch an der Messlatte die das 45/2 gelegt hat. Das Objektiv ist alles andere als „schlecht“. Tolle Portraitlinse, schöne Brennweite. Nur sollte man es mit einer Streulichtblende verwenden, meines Erachtens nach ist es sehr anfällig für schräg einfallendes Licht, was dann zu flauen und kontrastarmen Bildern führt.

Das 45/2 ist einfach super auf der G1. Ich vertraue mittlerweile schon fast Blind dem Autofokus – die Skala im Sucher beachte ich so gut wie nie. Die Kombination G1+45/2 hat einen fixen Autofokus und man kann so einfach wirklich tolle Bilder produzieren: Kamera in Zeitautomatik, Blende einstellen, Autofokus durch einen sanften Druck auf den Auslöser aktivieren…und auslösen. Das Bokeh ist – wie von Zeiss gewohnt – sehr cremig. Der Kontrast sehr knackig und selbst ohne Streulichtblende hat es eine prima Abbildungsleistung. Meine Standard-Linse auf der G1.

Es macht einfach Spaß, analog zu fotografieren. Welchen Film benutze ich, welche Brennweite, sitzt der Fokus, ist die Belichtungszeit korrekt…all das sind Dinge, die man sich sehr bewusst vor Augen hält. Und dass jeder Schuss ein Treffer sein sollte, immerhin kostet ein Profi-Film um die 5€, dazu kommen Entwicklungskosten vom Labor. Das summiert sich zu etwa 0,50Euro/Bild.
All diese Dinge lassen mich viel konzentrierter fotografieren und ich lasse auch gerne mal ein Motiv aus, das mir nicht als wirklich „fotografierenswert“ erscheint sei es Motiv oder Licht.

Doch genau das ist „Fotografie“, sei es mit einer Contax oder Leica.

Alle Objektive haben das patentierte Zeiss T*-Beschichtung. Die Mehrschicht-T*-Vergütung beseitigt interne Reflexionen am Glas sehr wirkungsvoll. Im Klartext, sehr neutrale Farbwiedergabe, exzellenter Kontrast und die Beseitigung von Farbsäumen.

Die Contax G1 mit35mm f/2.0 Planar…

…mit 45 f/2.0 Planar…

und mit 90mm f/2.8 Sonnar.

Natürlich möchte ich auch ein paar Bilder zeigen, die ich überwiegend mit dem 45/2 gemacht habe.

© Martin Spoerl Photography | Fotograf Ulm

3 Comments
  1. Wunderbare Bilder mit einem großartigen System! Welche Filme benutzt du am liebsten?

    • …danke dir. Für meine Reisebilder nehme ich echt gerne den Superia, sonst auch mal nen Portra oder den 400H.